Vögel im Naturwaldreservat Stelzenbachtal
An der jüngsten Vogelstimmenwanderung der Will und Liselott Masgeik-Stiftung nahmen trotz eher widriger Wetterbedingungen 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil, um die Vogelwelt im Naturwaldreservat Stelzenbachtal unter der Leitung von Christoph Bröder, Vorstandsmitglied der Stiftung zu entdecken.
Mit der Ausweisung des Naturwaldreservates im Jahr 1997 ist das Stelzenbachtal eine der ältesten Waldprozessschutzflächen im Westerwald und ist mit 77 ha deutlich größer als die meisten anderen Naturwaldreservate in Rheinland-Pfalz mit einer durchschnittlichen Fläche von etwa 30 ha. Seit der Ausweisung fanden und finden verschiedene Untersuchungen durch die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft aus Trippstadt in dem Naturwaldreservat statt. So wurden neben der Aufnahme der Baumartenzusammensetzung bereits die Bodenfauna, Fledermäuse, Vögel, Pilze u.w. in dem etwa 30-jährigen Reservat untersucht, um die natürlichen Waldentwicklungsprozesse ohne den Einfluss der forstlichen Nutzung zu dokumentieren. So weist das heutige Waldgebiet entlang des Stelzenbaches viele alte Bäume mit teils über 190-jährigen Buchen auf. Es ist ein hoher Anteil stehendem und liegendem Totholz vorhanden und der Wald weist durch die fehlende Entnahme der Bäume und damit verbundene Öffnung der Bestände ein weitestgehend geschlossenes Kronendach auf. Diese Gegebenheiten haben Einfluss auf die im Naturwaldreservat vorkommenden Pflanzen- und Tierarten und somit auch auf die Vögel, die im Fokus der Veranstaltung standen.
Der geringe Vegetationsbedeckungsgrad am Waldboden ist z.B. wichtig für den bodenbrütenden Waldlaubsänger. Das große Höhlenangebot wird von höhlenbrütenden Vogelarten, wie Dohlen, Hohltaube, Kleiber oder verschiedenen Meisenarten genutzt, die ebenso wie ein singender Trauerschnäpper in der Kernzone des Stelzenbachtals beobachtet und belauscht werden konnten. Untermauert wurden die Beobachtungen von Bröder durch viele interessante Anekdoten. So erfuhren die TeilnehmerInnen beispielshaft, dass sich Wachholderdrosseln bei Angriffen von Sperber oder Krähen im Schwarm zusammenschließen, um den Angreifer unter lautem Schimpfen und Abwehrflügen mit Kot zu befeuern. Bei der kleinen Brutkolonie dieser Drosselart, die neben den brütenden Haussperlingen, Mönchsgrasmücken und Rauchschwalben am Rande von Welchschneudorf entdeckt wurden, blieb die Exkursionsgruppe von diesem Abwehrverhalten der Drosseln erfreulicherweise verschont. Unterstützt vom Naturschutzreferent der Stiftung Philipp Schiefenhövel konnte Christoph Bröder und die Exkursionsgruppe am Ende der Wanderung insgesamt 38 verschiedene Vogelarten innerhalb und rund um das Naturwaldreservat Stelzenbachtal beobachten und kehrte nach drei kurzweiligen Stunden an den Ausgangspunkt in Welschneudorf zurück.