Wiesenbewohner mit Sprungkraft unter der Lupe
mehrExpedition ins Reich der Heuschrecken
„Schaut mal! Fällt euch zwischen den beiden Heuschrecken ein Unterschied auf?!“ fragte Sybille Hennemann, Vorstandsmitglied der Will und Liselott Masgeik-Stiftung und Exkursionsleiterin der jüngsten Veranstaltung der Masgeik-Stiftung und des NABU Guckheims. „Die eine hat einen Stachel!“, erwiderte Kilian, einer der jungen Expeditionsteilnehmer. „Richtig, das ist aber kein Stachel, sondern die Legeröhre. Daran erkennt man die Weibchen der Roesel´s Beißschrecke, die wir hier im Glas haben. Sie brauchen sie, um kleine Löcher in Grashalme zu stechen und darin ihre Eier abzulegen!“ Solche und viele weitere Sachverhalte rund um die Heuschrecken konnten an diesem sonnigen Nachmittag in der Umgebung von Guckheim entdeckt und gelernt werden. Dass das Thermometer, wie so oft in diesem Sommer wieder über die 30°C-Marke kletterte, störte dabei sowohl die Teilnehmer als auch die Wiesenbewohner mit großer Sprungkraft wenig. Im Gegenteil - so erläuterte Hennemann profitieren gerade in diesem außerordentlich heißen Sommer Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, das Weinhähnchen oder auch die nah verwandte Gottesanbeterin von den langandauernden warmen Temperaturen und breiten sich zunehmend auch in die höheren Lagen des Westerwalds aus. Allerdings konnte auch sehr eindrucksvoll erfahren werden, dass die meisten Arten trotz ihrer Wärmeaffinität auch Wasser bzw. Feuchtigkeit benötigen. So wurden auf einer noch frischen blütendominierten Talwiese in unmittelbarer Nähe zum Elbbach an diesem Nachmittag mit dem Gemeinen Grashüpfer sowie der Großen Goldschrecke und dem Wiesengrashüpfer mehr Arten in diesem frischeren Lebensraum gefunden als auf der trockeneren, kurzschürigen und weitestgehend verbrannten angrenzenden Weide. Spielerisch lernten besonders die ganz jungen Teilnehmer, wie weit eine Strauchschrecke springen kann und dass die Heuschrecken ihr lautes Zirpen, das sogenannte Stridulieren, durch das Reiben der Hinterbeine oder Flügel erzeugen. Am Rand der Guckheimer Tongrube wurden zum Abschluss alle zehn verschiedenen Heuschreckenarten des Expeditionstages vorgestellt. „Das ist gerade mal ein Achtel aller in Deutschland vorkommenden Arten“ erläuterte Hennemann. Hier wurden Langfühler- und Kurzfühlerschrecken sortiert und u.a. die namensgebende sichelförmige Legeröhre der Gemeinen Sichelschrecke bestaunt, die in den Hochstauden der Tongrubenrandbereiche vorkam. Unterstützt wurde Sybille Hennemann vom Naturschutzreferenten der Stiftung Philipp Schiefenhövel, der sich nach drei kurzweiligen Stunden in das Reich der Wiesenbewohner mit Sprungkraft, bei den jungen und erwachsenen TeilnehmerInnen fürs Kommen dem NABU Guckheim für die gemeinsame Durchführung und vor allem bei Sybille Hennemann für die fachkundige, aber auch altersgerechte Exkursionsleitung bedankte.