Naturschutztipp des Monats | Juni

Die Gemeinden und Städte investieren jedes Jahr viel Zeit und Kosten für die Pflege ihrer innerörtlichen Grünflächen. Ebenso wird in die Pflege der privaten Gärten und dortigen Rasenflächen viel Mühe und Arbeit hineingesteckt. Es wird gesät, regelmäßig gemäht, vertikutiert, gedüngt und bewässert und oft ist eine einheitliche kurzrasige Grünfläche die Zielvorstellung im Privatgarten. Im öffentlichen Grün wird versucht den Arbeitsaufwand  gering zu halten, so dass Rasenflächen vielfältigeren Staudenbeeten und Rabatten meist vorgezogen werden. Eine beliebte Alternative zu Rasenflächen sind seit einiger Zeit angelegte Blühflächen bzw. Bienenweiden. Hier wird oft übersehen, dass der dauerhafte Erhalt einer artenreichen Blühfläche ebenso mit regelmäßiger Pflege verbunden ist. Um möglichst vielen heimischen Arten auf den innerörtlichen Grün- und Blühflächen sowie im Privatgarten einen Lebensraum zu schaffen, sollte bei der Anlage und Pflege folgendes beachtet werden:

Pflege von Rasenflächen

Entgegen der weitläufigen Praxis die Rasenflächen einmal wöchentlich oder alle zwei Wochen im Sommer zu mähen, sollte man den Rasen weniger häufig pflegen und zumindest ein Teil der Fläche länger wachsen lassen. Möglich ist auch, dass man die Randbereiche weiterhin kurz hält und größere Bereiche in Form von Kreisen oder Rechtecken stehen lässt. Es ist nicht notwendig, dass man die Pflege im Sommer gänzlich einstellt, aber die Verringerung der Mähtermine auf zwei bis drei Schnitte pro Saison lässt den aufkommenden Blütenpflanzen mehr Zeit um zur Blüte und anschließender Samenreife zu kommen. Wichtig ist das das Schnittgut aufgenommen und von der Fläche gebracht wird, um eine Förderung der konkurrenzstarken Gräser zu verhindern. Auf wüchsigen, feuchten Standorten oder in kühlen regenreichen Frühjahren, kann es sinnvoll sein aufkommende Gräser durch einen frühen Schnitt am Aussamen zu hindern, um im Restsommer Luft und Licht für die meist lichtkeimenden Blütenpflanzen zu schaffen. Nach einem solch frühen Schröpfschnitt sollte in der warmen Hauptvegetationsphase aber dann nicht mehr gemäht werden.

So macht es seit diesem Jahr auch die Ortsgemeinde Berod bei Wallmerod, die sich damit an der Biodiversitätsstrategie der Verbandsgemeinde Wallmerod beteiligt, die von der Will und Liselott Masgeik-Stiftung fachlich erstellt wurde. "Wir mähen unsere dorfeigenen Rasenflächen in diesem Jahr bewusst deutlich seltener als in den vergangenen Jahren. Es ist erstaunlich, wie sich in kürzester Zeit das Leben mit vielen blühenden Pflanzen und Insekten auf den Flächen einstellt" zeigt sich Collin Schmidt, Ortsbürgermeister von Berod begeistert. "Auch dem Klima kommt die Sache zu Gute, denn man spart Sprit bzw. Strom und senkt damit seine CO² Bilanz" ergänzt Klimaschutzmanagerin Lina Braun.


Anlage von Blühflächen und Bienenweiden

Stehen größere Rasenflächen zur Verfügung kann man ergänzend zu den selten gemähten Teilflächen eine oder mehrere Blühflächen anlegen. "Die beste Zeit hierzu ist im Spätsommer oder im zeitigen Frühjahr" erläutert Philipp Schiefenhövel der Naturschutzreferent der Masgeik-Stiftung. Die Grasnarbe muss sorgfältig bis mindestens 10 cm Tiefe abgetragen werden. Wurzelreste und Steine sollten abgesammelt und die Fläche anschließend mit einem Rechen oder einer Harke geglättet und krümelig gezogen werden. Als Saatgut sollte man regional zertifiziertes Saatgut mit hohen Anteil mehrjähriger Arten verwenden, da sich die heimische Insektenwelt über lange Zeit an die heimischen Arten angepasst hat. "Besonders die gefährdeten seltenen Arten leben bzw. ernähren sich oft nur von einer oder wenigen heimischen Pflanzenarten, die nicht durch andere nicht-einheimische Arten ersetzt werden können" so Schiefenhövel weiter. Zumal man außerhalb geschlossener Ortschaften nach dem Bundesnaturschutzgesetz abgesehen von landwirtschaftlichen und forstlichen Flächen ohne hin keine nicht einheimischen Samen bzw. Pflanzen ausbringen darf. Nach der flächigen Aussaat des Saatgutes, das man mit etwas Sand mischen sollte, um sich an die Mengenvorgaben der Hersteller halten zu können, muss das Saatgut angedrückt bzw. angewalzt werden. Eine Überdeckung mit Erde ist nicht notwendig, da die meisten Blütenpflanzen Lichtkeimer sind, die zwar engen Bodenkontakt (durch das Anwalzen) aber auch direktes Sonnenlicht zum Aufkeimen brauchen. Auf sehr wüchsigen nährstoffreichen Standorten kann es sinnvoll sein den vorhandenen Boden mit einem Kompost-Sand-Gemisch im Verhältnis  1:3 etwas abzumagern. Idealerweise sollte der Kompost steril und entsprechend frei von Samen und Beikräutern sein. In den ersten sechs Wochen sollten die Blühflächen kontinuierlich gewässert werden. Daher kann die Anlage im Spätsommer günstiger als im teils regenärmeren Frühjahr sein. Im Spätsommer sind auch viele Samenstände von attraktiven Blütenpflanzen in der Natur, wie Gewöhnlicher Dost, Wilde Möhre, Rote Lichtnelke etc. zu finden, die sich bestens eignen eine Blühfläche im eigenen Garten oder in der Gemeinde anzulegen. Nach der Anlage der Blühfläche ist eine regelmäßige Pflege notwendig. In den ersten zwei Jahren reicht es meist aus den Aufwuchs einmal im Frühjahr zu mähen und abzutragen. Sollten sich vermehrt unerwünschte einjährige Beikräuter und Gräser auf den Flächen etablieren, sollten diese von Beginn an gejähtet werden oder man verhindert mit zwei bis drei Schröpfschnitten und dem Abtragen der Biomasse im Sommer ein zu starkes Aufkommen der einjährigen Arten. Nach fünf bis sechs Jahren oder wenn die Flächen trotz entsprechender Pflege sehr grasdominiert sind, kann ein erneuter Umbruch der Grasnarbe und Neuaussaat notwendig werden. Solche Blühflächen bleiben ein künstliches von Menschen gemachtes Produkt und man sollte der Natur auch hier Raum geben die Fläche nach den örtlichen Gegebenheiten mitzuprägen.


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