2017.07.09 Mehl und Rauchschwalbe

Die heimischen Schwalbenarten sowie der Mauersegler standen im Fokus der jüngsten Veranstaltung der Will und Liselott Masgeik-Stiftung in Kuhnhöfen. Dort stellte Naturschutzreferent Philipp Schiefenhövel von der Stiftung zunächst die beiden heimischen Schwalbenarten vor. Der Name der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) basiert auf dem Wort "rustica", was ländlich oder auch bäuerlich heißt. Der wissenschaftliche Name der Mehlschwalbe (Delichon urbica) beinhaltet das Wort "urbica", welches sich mit „städtisch“ übersetzen lässt. Wie die Namen der beiden Kulturfolger des Menschen schon vermuten lassen, brüten Rauchschwalben eher in ländlichen Gebieten und dort vor allem in Aussiedlerhöfen und Reiterhöfen. Die Mehlschwalbe hingegen nutzt gerne Dörfer und Städte zur Aufzucht ihrer Jungen.

Die gänzlich nach oben offenen Nester der Rauchschwalbe findet man stets innerhalb von Gebäuden, während die Mehlschwalbe ihre Nester bis auf eine kleine Öffnung verschließt und sie meist unter den Dachvorsprüngen außerhalb von Gebäuden anlegt. Obwohl Schwankungen sowohl bei den Beständen der Rauch- als auch der Mehlschwalbe nichts Ungewöhnliches sind, wird in Deutschland seit den 1970er Jahren ein Rückgang beider Arten verzeichnet. Der Bestandsrückgang der Rauchschwalbenpopulation ist in erster Linie in der Intensivierung der bäuerlichen Betriebe zu suchen, die in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Durch die zunehmende Aufgabe von kleinbäuerlichen Betrieben und den Wandel der verbleibenden Betrieben hin zu landwirtschaftlichen industriell geprägten Großbetrieben geht die kleinräumige Bewirtschaftung der Flächen hin zu Monokulturen und großen Schlägen verloren. Dies führt zu „ausgeräumten“ Landschaften mit weniger Insekten und damit weniger Nahrungsgrundlagen für die Schwalben. Auch das Schließen von Ställen, um den EU-Hygieneanforderungen zu genügen, wirkte sich negativ auf die Bestände aus. Säuberungs- und Renovierungsmaßnahmen an Häusern sowie Veränderungen der dörflichen Strukturen hin zu moderneren Bauweisen führen zu einem Rückgang der Mehlschwalbenbestände. Durch die zunehmende Bodenversiegelung und das Fehlen von Schlammpfützen, Misthaufen etc. finden beide Schwalbenarten immer schlechter geeignetes Baumaterial für ihre Nester.

Durch verschiedene Schutzmaßnahmen versucht die Masgeik-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Westerwaldkreises und dem NABU den Bestandsrückgängen entgegen zu wirken. Neben der umfänglichen Öffentlichkeitsarbeit werden hier vor allem Kunstnester verteilt und aufgehangen sowie bereits mehrere Schwalbenhotels im Westerwald betreut und aufgestellt. In den vergangenen zwei Jahren haben über ein Dutzend ehrenamtliche Schwalbenerfasser die Bestände in der gesamten Verbandsgemeinde Wallmerod erfasst. Durch ein Schulprojekt mit dem Bioleistungskurs 11 des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg konnten 2017 etliche weitere Ortschaften in den Verbandsgemeinden Westerburg und Rennerod untersucht werden, so dass der Stiftung ein zeitlich langfristiger aber auch räumlich guter Überblick zu den Schwalbenbeständen im Westerwald vorliegt.

Einen kleinen Einblick darin konnten die Teilnehmer der jüngsten Veranstaltung der Stiftung bei dem Rundgang durch die Ortsgemeinde Kuhnhöfen erhalten. Kuhnhöfen besitzt in Bezug auf die Einwohnerzahl die meisten Brutpaare an Mehlschwalben innerhalb der Verbandsgemeinde, was nicht nur die Teilnehmer der Veranstaltung sondern auch Ortsbürgermeister Gehard Hehl begeistert aufnahm und sich im Abschluss bei der Stiftung für ihr Engagement und allen Teilnehmern für ihr Kommen bedankte.


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