Molsberger Gespräche voller Erfolg

Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sind Themen, die zurzeit viele Bürger beschäftigen und so war es nicht verwunderlich, dass die diesjährigen Molsberger Gespräche der Will und Liselott Masgeik-Stiftung, die sich mit dem Thema „Naturschutz im Wandel – gestern, heute, morgen“ befassten, erneut sehr gutbesucht waren.

Hierzu beigetragen hatte sicherlich auch der Referent des Abends, Oliver Conz, der seit 2008 ehrenamtlicher Vorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ist und vom stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung, Manfred Braun begrüßt wurde.

In seinem Vortrag ging Conz zunächst auf die Anfänge des Naturschutzes zum Ende des 18. Jahrhunderts ein, die meist noch einen sehr romantischen Blick auf die Schönheiten der Natur legten und sich vorwiegend mit dem Schutz von Naturdenkmälern befassten. Im 19. Jahrhundert spielte mit dem Erstarken der Industrialisierung und des Kapitalismus die Seltenheit der Natur und deren Tiere und Pflanzen im Naturschutz eine immer größere Rolle. Dies führte zum Schutzgebietsgedanken und seit 1920 zur Ausweisung von Naturschutzgebieten in Deutschland. Der Naturschutz des 20. Jahrhunderts und heute wird immer stärker von der Globalisierung geprägt. Mit dem Blick über den Tellerrand wird der Schutz von seltenen Tier- und Pflanzenarten durch den Verantwortungsgedanken im Naturschutz ergänzt. So hat Deutschland beispielsweise eine weltweite Verantwortung für den Schutz der sommergrünen Rotbuchenwälder und deren Lebensgemeinschaft. Diese neue Schwerpunktsetzung führte letztlich zum integrativen Naturschutz, der den Naturschutzgedanken auch außerhalb der Schutzgebiete in die verschiedenen Landnutzungsformen, wie Gewässer-, Forst- und Landwirtschaft implementiert. Das Fazit des Referenten ist, dass Naturschutz stets ein „Ausdruck gesellschaftlicher Wertvorstellungen“ ist.

Der Naturschutz von heute braucht sich nicht verstecken – was die Gründerväter vieler Naturschutzorganisation, wie die der HGON begonnen hatten, führte beispielsweise in Hessen zur einer Schutzgebietsausweitung von heute 22% der Landesfläche. Viele Bestandsrückgänge von gefährdeten Arten, wie Graureiher, Wanderfalke, Uhu, Schwarz- und Weißstorch aber auch Fischotter, Wildkatze, Biber u.v.m. konnten durch aktive Artenschutzmaßnahmen zum Positiven gewandt werden. Auch der Zuspruch des Naturschutzes in der Bevölkerung hat stetig zugenommen, was sich in wachsenden Mitgliederzahlen aller großen Naturschutzverbände widerspiegelt. Demgegenüber sieht Conz die großen Herausforderungen des heutigen Naturschutzes: „Hierum müssen wir mit unseren Partnern aus allen Gesellschaftsbereichen Streiten und uns für unsere Überzeugungen einsetzen – denn Naturschutz braucht Raum“ so Conz. Sei es in Bezug auf die Intensivierung der Landwirtschaft, den steigenden Nutzungsdruck auf die heimischen Wälder oder den steigenden Flächenverbrauch im Bausektor, der den Fortbestand von Schutzgebieten und naturnahen Landschaften bedroht. Hierfür sollte sich der Naturschutz die Digitalisierung zu Nutzen machen. Ob bei der Anwendung von künstlicher Intelligenz, wie z.B. bei der automatisierten Artbestimmung von „Wildlife insights“ oder durch die Verwendung von akustischen Monitoringprogrammen, wie „AudioMoth“. Auch die kostengünstige und schnelle Möglichkeit zur DNA-sequenzierung von Gewässerproben o.ä. durch „Metabarcoding“ wird eine größere Rolle im Naturschutz spielen.

Beim gesellschaftlichen Zukunftsblick setzt Oliver Conz auf mehr Vielfalt im Naturschutz. Er bemängelt den hohen Anteil älterer deutscher Männer in den Entscheidungsgremien der Naturschutzverbände und fordert hier eine stärkere Einbindung von Frauen in die Vorstandsarbeit. Auch die Beteiligung und Förderung von fähigen Köpfen mit Migrationshintergrund sowie die Jugendarbeit sind ihm sehr wichtig. Der Naturschutz von morgen muss flexibler in der Vorstands- und Vereinsarbeit werden, wenn er sich mit dezentral gesteuerten Bewegungen wie Fridays for Future und Extinktion Rebellion ernsthaft auseinander setzen will. Die großen inhaltlichen Herausforderungen, aber auch Chancen im Naturschutz sieht Conz in der Bewältigung der Fragen zum Klimawandel – so könnten zukünftig eine Art „Klimaschutzgebiete“, der Prozessschutz von Waldflächen und der Moorschutz zur Senkung von Co²-emissionen an Bedeutung gewinnen. Nach den Ausführungen des Referenten, für die sich die beiden Vorstandsmitglieder der Stiftung Manfred Braun und Hella Weigand bedankten, entstand eine intensive Diskussion mit den Zuhörern. So endeten die Molsberger Gespräche mit einem lebhaften Austausch zu den wichtigen Fragen unserer Zeit rund um den „Naturschutz im Wandel“.

 

 


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