Die Europäische Wildkatze im Westerwald

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Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)
Die Europäische Wildkatze kann einer wildfarbenen Hauskatze (Felis silvestris f. catus) sehr ähnlich sehen. Folgende äußerer Merkmale können zur Unterscheidung zwischen erwachsenen Wild- und Hauskatzen nach bisherigen wissenschaftlichen Kenntnissen (Müller 2011)  herangezogen werden:

1 | ockerfarbener, bräunliche Grundfärbung bei Wildkatzen
2 |  Streifung bzw. Tigerung mit zunehmenden Alter bei Wildkatzen verwaschen und undeutlicher
3 | buschiger stumpf endender Schwanz mit kräftigen schwarzer Ringelung bei Wildkatzen
4 | Unterbrechung des Aalstriches im Bereich der Schwanzbasis bei Wildkatzen
5 | deutlich abgesetzte Nackenstreifen bei Wildkatzen, im Vergleich zu einheitlich dunkler Scheitelfellpartie bei Hauskatzen
6 | längere Hinterfußknochen bei Wildkatzen, wodurch sie im Feld oft größer wirken
7 | dunkler Hinterfußfleck (Nehring‘scher Fleck) bedeckt bei Wildkatzen weniger als die Hälfte des Hinterfußes
8 | weiße Fellfärbung zwischen den Sohlenballen (Brandt‘scher Fleck) bei Wildkatzen
9 | Wildkatzen besitzen im Vergleich zu Hauskatzen meist keinen dunklen Halsstreifen

Müller, F. (2011): „Körpermerkmale als Unterscheidungskriterien zwischen wildfarbenen Hauskatzen (F. silvestris catus) und Wildkatzen (F. silvestris silvestris) aus Mitteleuropa“(Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 36, 359 -368)

Da viele der äußeren Merkmale fließend und bei jüngeren Tieren schwierig zu erkennen sind, lässt sich eine sichere Bestimmung von Wildkatzen nur an toten Tieren oder mit Hilfe von Lockstöcken durchführen. Wildkatzen, die reine Fleischfresser sind, besitzen im Vergleich zur domestizierten Hauskatze einen kürzeren Darm und ein größeres Schädelvolumen. Eine weitere Möglichkeit Wildkatzen von Hauskatzen zu unterscheiden besteht in der genetischen Analyse von Haar- oder Gewebeproben.



Habitatansprüche der Wildkatze im Westerwald
Die Wildkatze gilt als Leitart für naturnahe, strukturreiche Wälder. In großen zusammenhängenden Wäldern mit vielen eingestreuten Offenbereichen, wie Windwurfflächen, breiten Wegen mit offenen Rändern oder Waldwiesen fühlt sich die Katze besonders heimisch. Da sie sich fast ausschließlich von Mäusen der angrenzenden Lichtungen und Waldwiesen ernährt, findet man die Wildkatze meist an den Randlagen solcher Wälder und selten im Waldinneren. Die Waldbereiche sucht sie meist nur tagsüber auf um hier in tiefen Dickicht oder einer geeigneten Höhle den Tag zu verschlafen. Wälder mit reichlich Totholz, Blockschutthalden oder Steinformationen werden auf Grund der höheren Anzahl natürlicher Höhlen bevorzugt. Hier bringen die Weibchen der Wildkatzen auch ihre Jungen zur Welt. In dem nordöstlichen Rheinland-Pfalz  werden die sonnenexponierten Hänge von Mosel, Rhein und Lahn sowie deren Seitenbäche besonders stark von der Wildkatze besiedelt. Hier finden die Katzen ausreichend Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten und sind auf Grund der z.T. hohen Unzugänglichkeit vor Störungen durch den Menschen besser geschützt.

Bestandserfassung der europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris) im Westerwald
Seit Anfang 2008 dokumentiert die Masgeik-Stiftung zusammen mit der Kreisgruppe des BUND intensiv die Verbreitung der Wildkatze im Westerwald und konnte die Ausbreitung in die nördlichen Teile des Westerwaldes belegen. Hierzu werden folgende Methoden angewandt:

1 | Dokumentation von Wildkatzenmeldungen
2 | Installation und Betreuung von Lockstockuntersuchungen
3 | Durchführung von Untersuchungen mit Hilfe von Wildtierüberwachungskameras
4 | flächiges Totfundmonitoring im gesamten rheinland-pfälzischen Westerwald
5 | Überwachung von Straßen- und Autobahnunterführungen, die oft wie ein Flaschenhals bei der Ausbreitung in der Fläche fungieren

Meldung von Wildkatzenbeobachtungen oder Totfunden 
Falls Sie in der Vergangenheit eine Wildkatze oder eine überfahrene Wildkatze gesehen haben, können Sie durch die Meldung dieser Beobachtung aktiv das Wildkatzenprojekt der Stiftung unterstützen. Verwenden Sie hierzu bitte folgenden Erfassungsbogen oder wenden sich direkt an uns.



Schutzbemühungen im Westerwälder Wildkatzenschutz
Im Zeitraum von 2012 bis 2015 hat sich die Masgeik-Stiftung intensiv an dem bundesweit durchgeführten Lebensraumverbundprojekt „Wildkatzensprung“ des BUND Landesverbandes beteiligt. Zusammen mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung vertreten durch Dipl.-Biol. Olaf Simon wurde ein 50.000 ha großer Korridorraum im Westerwald bearbeitet und konkrete Maßnahmen zum Schutz der Wildkatze etabliert. Es fand eine enge Zusammenarbeit mit Landesforsten Rheinland-Pfalz, der Unteren Naturschutzbehörde des Westerwaldkreises, der Oberen Naturschutzbehörde in Koblenz (SGD Nord), dem Landesamt für Umwelt (LfU) sowie dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland Pfalz (MULEWF)sowie dem Landesbetrieb für Mobilität (LBM) statt. Das Pilotprojekt im Westerwald deckte hierbei drei große Tätigkeitsfelder ab:

1 | Wildkatzenförderlichen Maßnahmen im Wald (FA Hachenburg, FA Neuhäusel)
2 | Maßnahmen zur Verbesserung des Biotopverbundes im Offenland
3 | Straßenbauprojekte und bestehende Verkehrsinfrastrukturen mit Schlüsselfunktion in Bezug auf die Wiedervernetzung  und den Biotopverbund von Waldlebensräumen

Öffentlichkeitsarbeit
Das Erfassungsprojekt wird durch wiederkehrende Infoveranstaltungen, Exkursionen, Fortbildungen, Presseartikel und wissenschaftliche Arbeitsberichte sowie Publikationen begleitet. Ausführlichere Informationen können Sie den hier verlinken Arbeitsbericht entnehmen. Der Abschlussbericht des Pilotprojektes „Wildkatzensprung“ wird hier in Kürze veröffentlicht.

Die Ausbreitung der Wildkatze im Westerwald (pdf, 883,0 KB)

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