Reptilien im Westerwald

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Reptilien im Westerwald
Im Westerwald und den angrenzenden Stromflusstälern kommen sieben verschiedene Reptilienarten vor. Neben der Blindschleiche, kommen drei verschiedene Eidechsen- sowie drei ungiftige Schlangenarten im Westerwald vor. Vier Arten besitzen einen europäischen Schutzstatus (Anhangliste IV der FFH-Richtlinie) und die Würfelnatter  gilt nach der Roten Liste sowohl in Rheinland-Pfalz als auch bundesweit vom „Aussterben bedroht“.  

Die Blindschleiche  (Anguis fragilis)
Die mit den Eidechsen verwandte Blindschleiche wird meist nicht länger als 50 cm. Sie ist vermutlich die häufigste Reptilienart im Westerwald und weist meist eine gräuliche oder bräunliche, seltener rostrote Oberseite ohne sonstige Fleckenzeichnungen auf. Die Blindschleiche kommt in mageren Wiesen sowie sonnendurchfluteten Wäldern, Gehölzen und Waldrandbiotopen mit ausgeprägter Strauchvegetation vor. Auch strukturreiche Ortsrandlagen und naturnahen Gärten werden von ihr besiedelt. Sie ernährt sich vor allem von Wirbellosen, wie Regenwürmern, Nacktschnecken und kleineren Bodeninsekten sowie deren Larven. Wie die Bergeidechse und die Schlingnatter, legt auch die Blindschleiche keine Eier, sondern bringt fertige Jungtiere zur Welt.
  


Die Berg- oder Waldeidechse (Zootoca vivipara)
Die meist braune Waldeidechse kann eine Körperlänge von 18 cm erreichen. Sie hat einen schlanken Körper häufig mit dunklem Rückenband, kurze Beine und einen kräftigen Schwanz. Der ziemlich kurze, wenig zugespitzte Kopf ist oberseits abgeflacht. Sie kommt im gesamten Westerwald häufig vor, bevorzugt hier sonnenbeschienene Wald- und Wegränder mit hohem Totholzanteil und ausgeprägter Strauchvegetation. Windwurfflächen, Heiden, Ränder von Feuchtwiesen und felsige Lebensräume werden ebenfalls von ihr besiedelt. Sie ernährt sich vornehmlich von verschiedenen Insekten und Spinnen.
 


Die Zauneidechse (Lacerta agilis)

Die Zauneidechse hat einen gedrungenen, kräftigen Körper, kurze Beine, einen relativ großen Kopf und ihr dicker Schwanz verjüngt sich nach hinten nur langsam. An den Körperseiten besitzt sie, im Gegensatz zur Bergeidechse, oft weiße, schwarz eingefasste Flecken. Die Männchen besitzen eine kräftig grünliche Grundfarbe, während die Weibchen meist bräunlich mit dunklen Flecken an der Seite und Oberseite gefärbt sind. Sie besiedelt trockene, sonnige Biotope mit vielfältiger Vegetationsstruktur und kommt ähnlich wie die Blindschleiche oft in Siedlungsnähe, sowie an Wegböschungen und Wegrändern vor. Randlagen von Steinbrüchen und Tontageabbaugebieten sowie trockene Sukzessionsflächen zählen im Westerwald ebenfalls zu ihren Verbreitungsgebieten. Die eierlegende Zauneidechse ernährt sich vor allem von verschiedensten Insekten und deren Larven. 
 


Die Mauereidechse (Podarcis muralis)
Die Grundfärbung der Mauereidechse ist ein bräunlich grauer Farbton. Die Männchen sind an den Flanken oft gefleckt, während die Weibchen häufig einen durchgängigen dunklen Seitenstreifen besitzen. Mauereidechsen sind schlanke Eidechsen und haben einen langen dünner werdenden Schwanz sowie filigrane Füße mit langen Zehen. Im Westerwald kommt die Mauereidechse ähnlich, wie die Schlingnatter vor allem in den wärmebegünstigten Hanglagen der Stromflusstäler vor. Hier besiedelt sie felsige, vegetationsarme Lebensräume mit einer hohen Anzahl an Versteckmöglichkeiten. Wie ihre Verwandte die Zauneidechse legt die Mauereidechse Eier und ernährt sich von Insekten und deren Larven. 
 


Die Ringelnatter (Natrix natrix)
Die Weibchen der meist gräulichen Ringelnatter können eine Größe von 120 cm erreichen. Die Ringelnatter ist vor allem an ihren mondförmigen Hinterkopfflecken zu erkennen, die wie ein Ring wirken und ihr ihren Namen gegeben haben. Sie bewohnt alle wasserdominierten Lebensräume, wie Seen, Tümpel, Feuchtwiesen und Quellbereichen aber auch naturnahe Gartenteiche, in denen sie sich vornehmlich von den Larven und erwachsenen Amphibien sowie anderer Wasserorganismen ernährt. Ausführlichere Informationen zur Ringelnatter finden Sie unter dem artspezifischen Erfassungsprojekt der Stiftung.
 


Die Würfelnatter (Natrix tessellata)
Diese braun olivfarbene Schlange wird durchschnittlich 100cm lang. Sie besitzt einen flachen Kopf mit seitlich hervorstehenden Augen. Über den Rumpf verteilt besitzt sie dunkle Flecken, die wie ein Würfelmuster wirken. Sie kommt nur an ein paar wenigen Standorten an der Lahn im Bereich von Stauwehren bei Nassau, Friedrichssegen und Nievern vor. Im restlichen Rumpfgebirge des Westerwaldes fehlt, die meist an Fließgewässer angepasste, Schlangenart. Die Schlangen sind sehr standorttreu und ernähren ausschließlich von kleinen Fischen, die sie unter Wasser erjagen. Ihre Eier legen sie gerne in vermodernde Treibguthaufen oder extra für diese Art angelegte  Pferdemisthaufen ab.
 


Die Schlingnatter (Coronella austriaca)
Die meist bräunlich bronzefarbene Schlingnatter ist eine vergleichsweise kleine Natter, die Gesamtlängen von 60 – 75 cm erreicht. Sie bewohnt wärmebegünstigte Hanglagen mit felsigen Böden bzw. Trockenmauern, in denen die standorttreue Schlange ausreichend Versteckmöglichkeit vor Fressfeinden findet. Da diese Lebensräume im Westerwald meist nur in den angrenzenden Stromflusstälern vorkommen, bleibt ihr Vorkommen im restlichen Westerwald auf einzelne Standorte begrenzt. Die lebend gebährende Schlange kann gut klettern, so dass sie auch schnelle Beutetiere wie Eidechsen, Mäuse und diverse Insekten erbeutet und lebendig verschlingt.
 


Reptilien im FFH-Gebiet Westerwälder Kuppenland
von Sarah Neukirch und Philipp Schiefenhövel  

Innerhalb der Vegetationsperiode wurde im Jahr 2011 die Reptilienzusammensetzung des FFH-Gebietes im Westerwälder Kuppenland von der Stiftung untersucht, um Aussagen über das Vorkommen und die Lebensweise der heimischen Reptilienarten im Westerwald zu erlangen. Hierzu wurden bei wöchentlich durchgeführten Transektgängen alle Sichtbeobachtungen dokumentiert und insgesamt 70 künstlichen Verstecken hinsichtlich des Artspektrums kontrolliert. Auch dieses wissenschaftliche Projekt wurde durch verschiedene Presseartikel und Öffentlichkeitsveranstaltungen begleitet.  

Die Reptilien im Westerwälder Kuppenland (pdf, 5,6 MB)

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